LEPIE.DE

23. Dezember 2012

Ereignishorizont

Wie die Sterne einer Galaxie kreisen wir um ein immenses, uns magisch anziehendes Schwarzes Loch, das wir Normalität nennen und ahnen nichts von dessen Ausmaß an Nicht-Sein, das uns in seinen Bann zieht und aus dessen tödlichem Herzen doch noch keiner berichten konnte und je wird berichten können, der bis dorthin vorgedrungen wäre

22. Dezember 2012

Kultur und System

Dass man in der Literaturwelt so ausschließlich von einer Suhrkamp-Kultur spricht, und nicht etwa auch von einer Rowohlt-Kultur oder einer Hanser-Kultur oder einer S.-Fischer-Kultur, das liegt – so meine Vermutung – nicht nur an der programmatischen Geschichte des Verlages, sondern zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auch an der systematischen Cover-Gestaltung von Willy Fleckhaus. Sein aggressiv rationalistischer Ansatz machte das einzelne Buch zum Bestandteil einer Reihe. Visuell trat der Einzeltitel zurück ins Glied. Colorcoding und Satzraster der Umschläge fungierten wesentlich stärker als Absenderkennung (Suhrkamp) denn als Identifikator eines literarischen oder wissenschaftlichen Einzelwerks.

Die meisten Verlage sind irgendwann dazu übergegangen, das einzelne Werk mit individuellem Cover auszustatten, seiner Einzigartigkeit zu huldigen und sich selbst in einer Geste des Understatements visuell zurückzunehmen. Sieht man ein Buch der Edition Suhrkamp bzw. ein suhrkamp taschenbuch wissenschaft, so denkt man zuerst: ein Suhrkamp-Buch – und erst dann: ein Adorno. Beides ist hierbei möglich: die Leistung Fleckhaus‘ in dieser Hinsicht zu bewundern oder den Verlust an individueller Titelgestaltung zu spüren, den der rationalistische Ansatz zu Folge hatte

18. Dezember 2012

Deep End

„… in einem Meer von Nichtwissen schwimmen …“

— Dirk Baecker, in „Vom Nutzen ungelöster Probleme“

18. Dezember 2012

Fußmassage

„… dieses Träumen gehört zum Leben so wie die Haut und die Füße, wie die Fußsohlen …. – Und jetzt die Intelligenz!“

— Alexander Kluge, in „Vom Nutzen ungelöster Probleme“

12. Dezember 2012

Kanalarbeiter

Mir kommt mittlerweile schon das Lesen der Tageszeitung vor wie das Hochfrequenz-Trading eigentlich nicht handelbarer Güter: einer Überfülle von Informationseinheiten, fast jede hoch bedeutsam, aber keine Handlungsoptionen für uns, die Leser, weit und breit, mit denen der Impact der Meldungen kanalisiert werden könnte

12. Dezember 2012

Never, ever

Nie würde ich es als Regisseur gestatten, dass die Actrice bei der Abreiseszene einen leeren Koffer durch’s Bild trägt; dass der Darsteller am Klavier sitzend nur so tut, als ob; dass der Schauspieler beim Rauchen nicht inhaliert

11. Dezember 2012

UX Design

User Experience Designer: meine Erfahrungen, die mache ich immer noch selber und lasse sie mir nicht designen, schreibt euch das hinter die Ohren

10. Dezember 2012

Anti-Vanitas

Es gibt kenntnisreiche Artikel zum Erfolg von Instagram, inbesondere der Anwendung von Retro-Effekten auf Digitalfotos. Einen weiteren Subtext, den ich in diesem Zusammenhang sehe, bildet die effektbasierte „Historisierung“ des Augenblicks.

Ein Rückgriff, den Instagram mit seiner Effektpalette vornimmt, bezieht sich auf die mangelnde Farbstabilität älterer Aufnahmeverfahren. Hier ist das imitierte Phänomen die Farbverschiebung, die den alten Abzügen über die Zeit zugestoßen ist.

Unser privater bildhistorisch geprägter Blick auf die Ära der eigenen Kindheit bzw. des jungen Erwachsenenalters der Eltern erfolgt durch genau diesen Filter: beim Blättern durch die Familienalben stoßen wir auf ausgeblichene Farben, runde Ecken, Polaroids mit Lichtabfall zu den Rändern.

Die mangelnde Fotoresistenz alter Bilder kann der Nutzer nun via App auf dem Smartphone den Bildern instantan zustoßen lassen. Das Wiederaufleben dieser Attribute der Vergänglichkeit als Effekt bildet sicherlich auch den Versuch, diese Bilder aus dem Strudel der fortwährenden, gesteigerten, permanenten Gegenwart der Fotostreams herauszulösen und ihnen einen Status der Überhöhung durch simulierte Zeiteinwirkung zu verleihen.

Der Schnappschuss will bereits jetzt und hier die Aura des Zeitdokuments; der Handyfotograf will Lichtbildner werden, das Abbild des Augenblicks geschichtlicher Moment. Aber wie so oft im Leben gilt auch hier: You can’t always get what you want.

In Kürze wird Instagram Geschichte sein.

Die zombifizierte Wiederkehr realweltlicher Wirkungen als digitaler Fake wird sich steigern in die zombifizierte Wiederkehr digitalweltlicher Simulationen digitalweltlicher Effekte. Die erhoffte Differenz der Instagrambilder wird sich gegen sich selbst wenden. Und dann, ja dann wird es womöglich Dienste geben, die die unverfälschten Aufnahmen hinter den Instagram-Bildern wieder rekonstruieren

9. Dezember 2012

Zeitgutschrift

Was mir auch hilft, weniger Zeit zu vergeuden: keine Interviews mit Schauspielern mehr lesen

9. Dezember 2012

In Order of Appearance

Voller Interesse beim KFZ-Versicherungswechsel im Antragsformular die Liste mit Berufsbezeichnung studiert und mir insgeheim gewünscht, hinter einem der folgenden Berufe den Haken setzen zu können:

– Färber
– Former
– Galvaniseur
– Kesselwärter
– Registrator
– Schleifer
– Seiler
– Vulkaniseur
– Zerspaner

8. Dezember 2012

Gyosa Schwabilonia

Schwäbische Maultaschen mit Sojasoße und geröstetem Sesam – oishii desu

6. Dezember 2012

By the Way

Kugelhaufenreaktoren wie der THTR-300 erinnern ja doch sehr an Ikeas Småland, nur in einer farblich etwas freudlosen Variante – Marketing Central, übernehmen sie

6. Dezember 2012

By the Way

Kugelhaufenreaktoren wie der THTR-300 erinnern ja doch sehr an Ikeas Småland, nur in einer farblich etwas freudlosen Variante – Marketing Central, übernehmen sie

4. Dezember 2012

Later

When the shop in shop phone is busy on busy – you gotta call again later

3. Dezember 2012

Deutungsanmaßungen

So wie Martin Parrs Titel Bored Couples natürlich eine Deutungsanmaßung wäre , wenn er ihn nicht selbst in Begleitinformationen zu seinem Fotoprojekt gleich wieder unterlaufen würde, so wird es im Fall Gustl Morrath immer wahrscheinlicher, dass durch einen offiziell bestellten Gutachter vor Gericht eine eben solche begangen wurde: eine Deutungsanmaßung im Amt – die in letzterem Fall zu jahrelangem Zwangsaufenthalt in der Psychiatrie geführt hat

3. Dezember 2012

Fatal Nerdism

„Parameter names that shadow super globals now cause a fatal error“

PHP.net

3. Dezember 2012

Unzeitgemäßes

Das Fernsehprogramm von gestern studieren