Schneise der Verwüstung / Kurzschluss der Sprache
21. Mai 2013
21. Mai 2013
Schneise der Verwüstung / Kurzschluss der Sprache
17. Mai 2013
Und dann entscheidet der Fehlerkorrektur-Algorithmus des CD-Players an der Stelle, wo der unscheinbare Kratzer im Silberling den Laserstrahl kurz zerstreut, dass Beethoven sich genau hier wohl ein Fis gewünscht hätte
16. Mai 2013
Im Erkennen der existenziellen Verbindung von Schlafen und Arbeiten würde ich mich als „einfacher Schlarbeiter im Weinberg des Herrn“ bezeichnen
16. Mai 2013
Wirklichkeit und Realität klaffen manchmal ganz schön auseinander
15. Mai 2013
Menschen bereuen. Sie bereuen Dinge, die sie getan haben. Und sie bereuen Dinge, die sie unterlassen haben. Ich frage mich, wie die Natur des Bereuens beschaffen ist. Das Bereuen zielt auf etwas, was nicht der Fall gewesen ist. Es befasst sich mit etwas, was nicht erlebt wurde. Es weist dem, was kein gelebter Teil der eigenen Biografie geworden ist, einen hohen Wert zu. Wie aber kann das Bereuen wissen, was gewesen wäre, wenn?
Wenn einer im Herbst seines Lebens bereut, zu viel gearbeitet und zu wenig Zeit für seine Kinder gehabt zu haben, woher will er dann wissen, ob er im umgekehrten Fall nicht bereut hätte, der Arbeit und den damit verbundenen vielfältigen sozialen Kontakten nicht genug Bedeutung geschenkt zu haben? Bereuen ist im Kern spekulativ. Und es missachtet im Blick durch den Schleier der Erinnerung, dass es im Moment der Entscheidung für oder wider das eine oder das andere ein aktives inneres Motivationsgeschehen gegeben hat. Tat oder Unterlassung stehen in einem wirkmächtigen biografischen Kontext.
Was sich mit Sicherheit sagen lässt: Bereuen ist in der Sache selbst nutzlos. Das Bereute ist geschehen. Es ist der Fall, weil man selbst es zu dem hat werden lassen, was nun eben der Fall ist.
Es verbleibt dem geäußerten Bereuen aber eine Wirkung auf gänzlich anderer Ebene. Diese Ebene ist die der Schaffung eines Kommunikationskanals, über den man seine Umgebung wohlfeil davon unterrichtet, das man dies oder das bereut, also eigentlich ein anderer ist, als man zu sein scheint. Wohlfeil, da die ungelebten Optionen des eigenen Lebens nie werden resümiert werden können – weder von einem selbst, noch von den anderen (die ja bekanntlich sowieso die Hölle sind ; )
14. Mai 2013
Doppelhochzeit.
Doppelhaushälfte.
Doppelgarage.
Doppelkinn.
Doppelmoral.
Doppelmord.
11. Mai 2013
Erst wenn das Sehnen nach Vergangenem oder Zukünftigem oder Fernem oder Unerreichbarem oder unwiederbringlich Verlorenem endet – und sei es nur für Minuten – wird Glückserfahrung möglich
11. Mai 2013
Ein paar Tage zurückgezogen in der Sommerfrische im Gutshaus am See verleben und wieder an eine bessere und schönere und gütigere Welt glauben können
1. Mai 2013
Dass Sami Khedira überhaupt gespielt hat, und zwar taktisch brilliant und zurückhaltend genial wie immer, bemerke ich normalerweise nicht während eines Spiels, sondern erfahre es erst am Folgetag aus der Spieler-Einzelbesprechung des Sportteils einer Qualitätszeitung meiner Wahl. Nur gestern wurde er vor aller – also auch meiner – Augen erst gegen Ende der zweiten Halbzeit Real – Borussia eingewechselt. Anders als sonst hatte er also wirklich nicht gespielt. Vielleicht ist das irgendwie bemerkenswert. Für mich macht es allerdings ja wie gesagt gar keinen Unterschied
1. Mai 2013
Manchmal ahne ich: jede nur denkbare Aussage, die man über „den Mensch“ treffen kann, trifft tatsächlich zu – auf den einen oder die andere
29. April 2013
Gestern irritierender Weise das flüchtige Gefühl gehabt, mich einmal als Spermium aus Woody Allens Was sie schon immer über Sex wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten zu verkleiden und dergestalt durch die Straßen der Stadt laufen zu wollen
29. April 2013
Rückblickend fällt mir auf, dass auch die Wolfsforscher im winterlichen Yellowstone wie die Objekte ihrer Beforschung Rudelverhalten an den Tag legen: der Leitwolf fährt im sonnengelben Pickup und das Rudel folgt ihm und seiner Ortungsantenne bedingungslos
28. April 2013
Nach dem ich gelernt habe, dass hochwertige Uhren mit Automatikaufzug täglich getragen werden müssen, sehe ich eine Zuverdienstmöglichkeit für Dogwalker und -walkerinnen. Diese können von jetzt an nicht nur die Rassehunde und -hündinnen (in Bezug auf Tiere wird nach meinem Geschmack viel zu selten gegendert – aber dies nur am Rande) sondern auch die Uhren ihrer Auftraggeber Gassi führen. Die Handgelenkswärme der jungen Dienstleister und das Zerren der Hunde sind thermisch und kinetisch sicherlich optimal für Schwingsysteme mit Unruh und Kugelumlauf
22. April 2013
Das Leben entfaltet sich durch uns als Lebende – und zwar immer genau jetzt. Und jetzt. Und jetzt. Und jetzt. Das Leben lebt sich unmittelbar. Man kann es nicht in ein Werk „auslagern“. Ein Werk verhält sich zum Leben wie das unförmig geronnene Stück Silvesterblei am Grund der Wasserschale sich zur ungeschriebenen Zukunft verhält
21. April 2013
Man kann den magischen Punkt in der Entwicklung des Fußballspiels bei Kindern als Entdeckung von Ideen im Verhältnis zu Raum und Zeit bezeichnen. Gemeint ist der Moment, von dem an nicht mehr alle einfach dahin laufen, wo der Ball ist – bis dahin haben sie ihn noch als Spielgerät betrachtet. Stattdessen beginnen sie, sich auf dem Spielfeld in Erwartung eines Passes in die Zukunft und in die Tiefe des Raums zu verteilen. Sie erkennen gewissermaßen die ideellen, transzendentalen und kommunikativen Qualitäten des Balles, wenn man so will – und nennen es einfach: kicken
21. April 2013
Das Runde im Fußball als Spielgerät zu bezeichnen, geht an der Sache vorbei. Es ist vielmehr das Kommunikationsmittel, das den Austausch zwischen den Spielern regelt
20. April 2013
Die Vorstellung, es müsse jemanden geben – viele geben – die stellvertretend für uns andere all die Bilder inhalieren, all die Texte lesen, all die Gebete beten, all die Lieder singen, die zu singen wir selber nicht mehr in der Lage sind, die zu beten uns der Glauben fehlt, die zu lesen wir keine Zeit mehr haben, die zu betrachten uns keine Muße verbleibt im Sandsturm der Zeit
18. April 2013
Man kann nicht erwarten, gesehen zu werden – und dabei selbst blind durch’s Leben gehen
18. April 2013
Thomas Thiel in der FAZ: „Eine Pflanzenethik kann zwar eine bestimmte Form des Umgangs, aber nicht das absolute Lebensrecht fordern. Die Diskussion würde sonst durch den Hungertod der Diskutanten enden.“
17. April 2013
In Schöneberg letzte Woche im Vorbeigehen eine an den Armen untätowierte Friseurin bei der Arbeit gesehen und seitdem vom Gedanken beseelt, aus Mitte weg und dort hin zu ziehen