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17. April 2013

Existenzielle Selbstreferenzialität

Eine Todesanzeige in der FAZ: „Herr Schröter ist stets mit seiner ganzen Energie und Kraft für die Interessen seiner Unternehmensgruppe Zeitfracht eingetreten“. Ich denke zum einen: Er selbst wurde als Zeitfracht final zugestellt. Und ich denke zu anderen: Wir alle sind Teilhaber und Speditionsgut dieser Unternehmensgruppe zu gleich

14. April 2013

FW: FW: FW:

Das Internet befördert meine ungerichtete Sehnsucht, weil es seine Versprechen nie einlöst, sondern die Impulse meiner Neugier beständig zu transformieren in der Lage ist und sie weiterleitet, weiter, und immer weiter. Es gibt kein Ankommen im Netz

13. April 2013

Vorboten

Dinge im Nachhinein als Vorboten für etwas begreifen lernen und doch wissen, dass man sie in „Echtzeit“ einfach nicht als solche hätte erkennen können, da eben nicht alles für etwas anderes, womöglich Größeres steht. Ein Leben mit der permanenten Bereitschaft, in jedem Detail ein Zeichen für etwas Darüberhinausweisendes zu sehen, ist nicht wirklich führbar. Das kurzwellige und das langwellige Leben und Erleben können immer nur kurz in Resonanz sein, ansonsten würden sie sich gegenseitig auslöschen. Vollständig im Moment gelebte Augenblicke wären nicht mehr möglich, immer wären sie von spekulativer Reflektion in Mitleidenschaft gezogen

12. April 2013

Genügsamkeit

Nur mal so, um meine Genügsamkeit in Sachen Humor zu illustrieren: ich gluckse innerlich schon bei der bloßen Vorstellung, dass ein Handy während eines Gespräch ins Wasser fällt, die Kamera ihm folgt und während man die Gegenstelle durchs Wasser noch undeutlich hören kann im Sprechrhythmus Luftblasen aus dem Ohrteil perlen

10. April 2013

Subraum

Beim Lesen der Zeitung auf Botschaften aus dem Subraum achten und selbst in einem völlig nutzlosen Zeitungsteil wie der Beruf-und-Chance-Beilage der FAZ noch Brosamen finden – Dieter Zetsches Antwort auf die Frage, was nicht in seinem Lebenslauf stehe: dass er seinen Keller selbst gefließt habe

9. April 2013

Der Hut

„Lass ihn fliegen, caro mio“
— Zuerst die Braut des reichen Mannes zum reichen Mann und später die Prinzessin Aspi d’Istra zu Benito Bardolio in Tomi Ungerers „Der Hut“

4. April 2013

St. Martin

Wann ist im angelsächsischen Raum eigentlich aus „to tell a story“ „to share a story“ geworden? Was hat es mit dieser wohlfeilen Sankt-Martin-haften Bezugnahme auf das Teilen auf sich? Wahrscheinlich – so denke ich –  ist es eine Übertragung des selbstauferlegten Bekenntniszwangs aus der Szene der Anonymen Alkoholiker auf Allerweltsgeschichten, um diese mit ähnlich existenzieller Bedeutung aufzuladen

31. März 2013

Rhetorische Frage

Wird die Anweisung der UPS-Leitung an ihre Fahrer, statt links abzubiegen lieber drei mal rechts zu fahren, für „Big Data“ das gewesen sein, was die Teflonpfanne für die bemannte Raumfahrt war?

28. März 2013

Hier & Jetzt

Entspricht das Vollbild einer Alzheimer Demenz nicht dem, was die esoterisch angehauchte Ratgeberliteratur uns allen als „Leben im hier und jetzt“, als „Aufgehen im Augenblick“ anempfiehlt? Und ist das nicht eigentlich eine gute Vorstellung?

23. März 2013

California

Landschaft, Essen, Politics

— J. über das, was er an Kalifornien vermisst

18. März 2013

Familienbande

Loyalität ist die vergeistigte Schwester der Sentimentalität (also schätze ich beide)

17. März 2013

Perfidie

Was bisher geschah: ein Mann in Amt und Würden wird mit dem Vorwurf der Vorteilsnahme konfrontiert. Er bestreitet die Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft sieht einen Anfangsverdacht und nimmt die Ermittlungen auf. Diese Einleitung von Ermittlungen zwingt den Mann, von seinem Amt zurückzutreten.

Das mehrköpfige Ermittlungsteam der Staatsanwaltschaft ermittelt über ein Jahr. Der Beschuldigte kooperiert. Der Beschuldigte übergibt den „Gästen“ freiwillig Akten im Rahmen eines Besuchs durch Ermittlungsbeamte, die ohne Durchsuchungsbeschluss in seinem Privathaus vorstellig werden.

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf drei Hotelbesuche mit unklarer Rechnungsbegleichung. Nach über zwölf Monaten Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft weder Beweise für ihre Vorwürfe noch hat sie auch nur ausreichende Indizien, um ein Verfahren gegen den Mann zu eröffnen.

Und was macht die Staatsanwaltschaft in dieser Situation? Stellt sie das Verfahren ein? Nein. Sie hat eine bessere Idee: die Staatsanwaltschaft zeigt sich generös. Die Staatsanwaltschaft bietet den Anwälten von Christian Wulf an, gegen eine Zahlung von 50.000 20.000 Euro das Verfahren gegen ihn einzustellen; wohlgemerkt eines Verfahrens, das im 13. Monat seines Andauerns absolut keine relevanten und somit gerichtsverwertbaren Ergebnisse geliefert hat.

Das ist gelinde gesagt nicht nur perfide, das ist impertinent. Der wahrscheinlich zu unrecht Beschuldigte soll seinen „Peinigern“ 20.000 Euro dafür zahlen, dass sie von ihm ablassen und ihr in der Sache ergebnisloses und in Kürze von staatswegen sowieso einzustellenes Tun beenden und zugleich soll er mit genau dieser Zahlung unterschwellig eingestehen, dass er doch Dreck am Stecken hat, obwohl man ihm nichts beweisen kann. Ungeachtet der Person im Fokus, aber das ist inakzeptabel.