Lepie.de

21. Juni 2013
von Marcus
Keine Kommentare

Barrierefreies Dating

Die teilritualisierte Interaktion des „Datings“ als mathematisch grundierter Bekenntniszwang. Das implizite gemeinsame Bekenntnis des Wunsches zum Übergang vom gesellschaftlichen hin zum geschlechtlichen Verkehr konstituiert sich durch das Abzählen der als „Date“ klassifizierten Zusammentreffen der Protagonisten. Hat dabei eigentlich mal jemand an Menschen mit Dyskalkulie gedacht?

19. Juni 2013
von Marcus
Keine Kommentare

Installation II

Vorstellung einer Installation im White Cube, bei der der größte Teil des Bodens mit Museumshygrometern bedeckt ist. Die Menge an Hygrometern sollte so gewählt sein, dass das Ticken der Uhrwerke, die die Papierzylinder antreiben, den Raum akustisch dominiert. Die Wände des Cubes bleiben leer

7. Juni 2013
von Marcus
Keine Kommentare

Früher

Mein Vater trug früher beim Autofahren schwarze Lederhandschuhe. Ihr Handrücken war über kreisrunde Löcher belüftet. Das Leder erzeugte beim Lenken ein knarrendes Geräusch. Ich glaube, man nahm das Autofahren damals ernster

3. Juni 2013
von Marcus
Keine Kommentare

Ladenschluss

Im Traum habe ich mit vielen anderen Menschen, Alleinstehenden, Familien, Alten und Kindern in einem großen Möbelhaus gewohnt, auf vier Etagen, in allen Abteilungen. Nachts. Privates und Öffentliches für alle sichtbar. Reger Tauschhandel. Konfrontation und Rückzug. Und ich weiß nicht, ob wir morgens vor Ladenöffnung alle Spuren beseitigen und erst am Abend nach Ladenschluss wieder Besitz von den Wohnlandschaften ergreifen oder ob wir das Haus einfach ganz übernommen haben

2. Juni 2013
von Marcus
Keine Kommentare

Quantenbiografie

Das Jetzt ist eine maßstabslose Größe. Einfach jetzt. Jetzt gerade. Und darin gelten – vielleicht wie beim Übergang der klassischen Physik zur Quantenmechanik – plötzlich andere Gesetze. Die Gesetze des Jetzt.

In der Reflexion unseres Lebens betrachten wir eben dieses Leben meist mit den Augen der klassischen Biografie: in großen Linien. Das Leben selbst aber wird in einer kontinuierlichen Abfolge von Augenblicken gelebt. Und in jedem einzelnen gelten die Gesetze der Quantenbiografie: die kleinen Begebenheiten, deren Summe sich zu dem addiert, was wir „unser Leben“ nennen.

In gewisser Weise sind die großen Linien Illusionen. Wir gruppieren für Wert befundene Erinnerungen und Dokumente zu vermeintlichen Kontinuitäten, die uns sinnhaft erscheinen. Und wir tun dies nicht zu letzt in der Hoffnung, dass andere unsere Einschätzung von Sinnhaftigkeit teilen.

Real aber sind nur die gelebten Augenblicke. Jeder einzelne. Jeder für sich: Die Kühle des Lakens auf der Haut im Moment des Sichzudeckens. Die Wahrnehmung des schwach sichtbaren Pulses am Hals der Frau, die einem gegenübersitzt. Das Spiel des Lichtes der Flutlichtanlage, das durch die regennasse Scheibe auf die rückwärtige Zimmerwand fällt. Das Gefühl der Schwere der eigenen Hand, die für einen Moment auf dem Oberschenkel ruht